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27
Jan

Um richtig fit zu sein, trainieren inzwischen viele Golfspieler mit Physiotherapeuten

Von Stefan Freye

Zur Grundversorgung professioneller Sportler zählt die Physiotherapie nun schon länger. Aber auch den Amateuren kann die Beschäftigung mit dem eigenen Körper helfen – besonders, wenn sie einen so komplexen Sport wie Golf ausüben.

Einen Ball auf den Abschlag legen, irgendwie dagegenschlagen und dann hinterherspazieren, gemütlich, nicht zu schnell – so in etwa stellen sich noch immer viele Menschen den Golfsport vor. Golfer wissen, dass es sich dabei um ein Vorurteil handelt. „Auf der Leistungsebene ist Golf sogar ein Hochleistungssport“, sagt Stefan Küthmann. Der Bremer Physiotherapeut hat sich zwischen 2001 und 2006 um die Fitness von Werders Fußballern gekümmert.
Mittlerweile arbeitet Küthmann selbstständig in einer Oberneulander Praxis, gelegentlich ist er auf Honorarbasis beim Deutschen Golfverband (DGV) aktiv. Gemeinsam mit dem Kölner Rolf Klöttschen möchte er Golfern nun den Zusammenhang zwischen ihrem Sport und der Physiotherapie näherbringen – davon wissen nämlich selbst die meisten Golfer noch nicht sehr viel. In der Welt der aktiven Profis ist die Verbindung dagegen bereits seit einigen Jahren angekommen.
„Tiger Woods war der Erste, er hat vor allem den Zusammenhang zwischen der physischen und der mentalen Seite des Sports hergestellt“, sagt Rolf Klöttschen. Seit 1999 arbeitet der Physiotherapeut mit einer Praxis in Brühl für den DGV, unter anderen als Stützpunkttrainer und ebenfalls als Honorarkraft. Er begleitete die Nationalmannschaft zu diversen Titelkämpfen und in Trainingslager; zuletzt war der 46-Jährige oft mit Golfprofi Marcel Siem unterwegs, zudem betreut er seit Langem auch Martin Kaymer.
„Heute arbeiten immer mehr Spieler auf der Tour mit einem Physio“, sagt Klöttschen. Weil es, wie einst Tiger Woods erkannte, eben nicht nur darum geht, den Ball regelmäßig mit einem sauberen Schwung zu treffen. Sondern auch darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Sie können in der nötigen Fitness bestehen, die es selbst einem Topgolfer erst ermöglicht, sein Golf auch auf einer mehrstündigen Runde zu spielen. Oder eben darin, am Körper des Golfers zu arbeiten. „Der Golflehrer kümmert sich um den Schlag, wir uns um den Körper“, sagt Stefan Küthmann.
Vor allem die ältere Generation der Teaching-Pros sei nämlich nicht immer über die Zusammenhänge informiert. Küthmann: „Sie fragen verwundert: Du bist 25 Jahre alt und kannst dich nicht richtig aufdrehen?“ Ob der betreffende Golfschüler womöglich unter einer angeborenen Fehlhaltung oder einer zu hohen Muskelspannung leidet, spiele dagegen viel zu selten eine Rolle. Gerade derartige Dinge sind es nach Ansicht der Physiotherapeuten aber, die einem guten und letztlich auch gesunden Golfspiel oft im Wege stehen. „Ich bin schon früh mit diesem Thema in Berührung gekommen“, sagt dagegen Philipp Reinermann, der in der Jugend bereits im Landeskader gestanden hatte. Heute spielt der 27-Jährige (Handicap +0,3) beim Club zur Vahr in der 2. Bundesliga, und mit seinem Team hat er „Cornamix“ entwickelt. In diversen Kursen bringen Reinermann und Co. den Interessierten dort den Zusammenhang zwischen Golf und Körper näher.

Rolf Klöttschen, wie Stefan Küthmann fester Bestandteil der Cornamix-Workshops, setzt dabei besonders auf das sogenannte Screening. Dabei lässt der Therapeut den Golfer einige Bewegungen ausführen und erkennt dessen körperliche Voraussetzungen, also auch mögliche Fehlerquellen. „Danach lässt sich an den zu verbessernden Strukturen arbeiten“, so Klöttschen. Diese Arbeit soll schließlich münden in ein „Training für jedermann“, sagt Stefan Küthmann. Für die Beschäftigung mit dem eigenen Körper sei nämlich niemand zu alt. Im Gegenteil. Es gibt da noch ein weiteres Vorurteil auszuräumen. Küthmann: „Jeder Golfer will doch bis ins hohe Alter spielen und nicht mit 65 wegen Rückenschmerzen aufhören.“ Ach so ist das. Viele Menschen glauben ja, mit 65 würde man erst einsteigen in den Golfsport.

Artikel-Weser-Kuir-vom-27.02.2014-Golf-